Liebe Freund:innen, Interessent:innen, Kund:innen von inscape,
kürzlich fand das inscape Dialogforum unter dem Titel „Die Sehnsucht nach einer anderen Erzählung – Wie entstehen neue Zukünfte?“ statt. An den beiden Tagen in Köln haben wir gemeinsam diskutiert, reflektiert, geträumt und neue Zukünfte ausprobiert. Zwar warten wir nun nicht mit der einen fertigen Erzählung der Zukunft auf, einer Erzählung also, wie sie zurzeit besonders häufig aus dem Silicon Valley kommt, und bei der dann wahlweise intergalaktische Visionen, wilde Versprechen von neuer und alter Stärke oder vermeintlich konträre Weltuntergangsphantasien propagiert werden.
Und doch nehmen wir etwas Wichtiges mit: Die Erkenntnis, dass es eben nicht die eine Zukunft gibt, sondern verschiedene mögliche Zukünfte und genauso viele Möglichkeiten, diese zu beeinflussen. Das nicht zu vergessen ist besonders wichtig, wenn die Gegenwart schon schwer auszuhalten ist. Im Schwerpunkt dieser Ausgabe blicken wir zudem auf ein neues Angebot für Psychotherapeut:innen und den ebenfalls neuen Kompakt-Workshop „Teamdynamiken verstehen & Teamentwicklungen gestalten“, der im Januar erstmals stattfindet. Am Ende des Newsletters gibt es dann wie gewohnt die Übersicht der anstehenden Termine.
Zukunftsfragen Zukunft ist ein großes Wort, das auch bei den Teilnehmenden des inscape Dialogforums die unterschiedlichsten Vorstellungen und initialen Fragen hervorrief. Was beschäftigt jeden Einzelnen aktuell mehr: Ist es die persönliche Zukunft, die gesellschaftliche oder die ökonomische? Natürlich sind die drei miteinander verknüpft. Trotzdem hilft es, sich auf einen der Aspekte zu fokussieren, um in ein gestaltendes Momentum zu kommen.
Handlungsspielraum beginnt also mit dem Sortieren, worum es einem geht. Ebenso entscheidend ist dabei, die eigenen Zukunftserwartungen in der Gegenwart aufzudenken und zu verstehen, wie sie unsere Zukunft längst prägen und unter Umständen auch einschränken.
Was es mitzunehmen gilt und was losgelassen werden muss – darum ging es auch in der Generationen-Timeline. Hier wurden entscheidende Spannungen aktueller Diskussionen direkt ins Dialogforum geholt: Was, wenn das, was eine Generation weitergeben will, von den Folgegenerationen nicht genommen werden will? Und was, wenn das, was losgelassen werden muss, längst als losgelassen gilt für die einen, für andere aber noch nicht? Was passiert zudem, wenn die erwartete, die zugeschriebene Wut nicht genannt wird, dafür aber eine ganz andere Wut spürbar wird? Diese Thematiken hätten wir gerne noch weiter bearbeitet und daraus wird sicherlich auch ein neues Angebot entstehen.
Auch im CoSensing begleitete uns die Generationenthematik weiter – und zwar in den Zukunftsskulpturen, die die jeweilige Bedürftigkeit der Generationen mitdarstellten: Doch wer hält eigentlich und wer wird gehalten? Wer hat eine verbindende Funktion? Welche Rolle wird zugewiesen und welche entspricht dem Selbstbild der jeweiligen Generationen? Bei all dem zeigte sich, wie hilfreich kreative Methoden sind. Denn diese erlauben, sich nicht zu schnell in den sonst häufig auftretenden Diskussionen zu verhaken, sondern den gedanklichen Raum und damit auch den Dialog offen zu halten.
Raum geben und Raum nehmen
Wir sollten uns wohl häufiger die Frage stellen: Wie zukunftsoffen bin ich selbst in diesem Moment? Nur so können wir gestalten. Auch das zu schnelle Ausweichen auf den Begriff der Regression, wenn wir eine Zukunft nicht mögen, lässt sich hinterfragen. Denn machen wir es uns damit nicht vielleicht zu einfach? Eine schnelle Erklärung schließt Möglichkeitsräume schließlich aus.
Zum inscape Dialogforum gehörte auch der Auftritt von Tri:angel. Das Ensemble, bestehend aus Barbara Schachtner, Dorrit Bauerecker und Dietmar Bonnen, erklärte im Anschluss, wie ihr Zusammenspiel in der konzeptionellen Improvisation funktioniert. So verstehen sich Tri:angel als geometrische Form. Alle drei Seiten sind gleichberechtigte Klangerzeuger, die sich jeweils Raum geben – und Raum nehmen. Sie verbinden sich miteinander oder auch gegeneinander, um dann wieder aus den vorübergehenden Konstellationen auszubrechen. Aus all dem entsteht immer wieder neues Klanggewebe, nicht im reinen Chaos, sondern mit klar untereinander abgesprochenen Regeln, die für das Publikum allerdings nicht erkennbar sind. Ähnlich ist es mit der Psychodynamik: Auch sie bleibt oft unsichtbar. Dort ringen Unsicherheit und Angst mit der Lust auf Veränderung und Verbindung, und aus dieser Ambivalenz kann Neues entstehen, wenn man genauer hinschaut und sie nicht zu schnell abtut.
So bleibt am Ende ein Dialogforum, das uns einmal mehr zeigt, wie viel sich gedanklich bewegt, auch wie viel Energie entsteht, wenn wir zusammenkommen und dabei große Fragen stellen. Und wie gut es tut, wenn wir uns auf Dialoge einlassen, auf Verbindung, wie sie zum Beispiel durch das gemeinsame Erleben eines Konzertes oder aber auch das gemeinsame Erschaffen entstehen. All das kann – in Teilen – anstrengend und inspirierend zugleich sein. Der reine Optimismus oder auch der resignierte Pessimismus ist einfacher als ein solches Einlassen, weil er keine Handlung erfordert. Während des inscape Dialogforums haben wir uns daher immer wieder in der Haltung des Possibilismus geübt: Wenn es mehrere Zukünfte gibt, können wir kleine, neue Praktiken probieren, um diese zu beeinflussen.
Angebot für Psychotherapeut:innen
Die gesetzlichen Veränderungen zur psychotherapeutischen Versorgung führen bei vielen Psychotherapeut:innen zu der Frage: Wie sieht meine zukünftige Perspektive eigentlich aus? Eine konkrete Möglichkeit ist die Erweiterung des beruflichen Selbstverständnisses. Schließlich ist schon eine ideale Grundlage vorhanden: Die hervorragende Ausbildung und das tiefe Wissen in der Beratung von Individuen und deren Konfliktdynamiken.
Und das vor dem Hintergrund der jeweils besonderen Biographie. Da liegt es für viele auf der Hand, ihre Fähigkeiten auch für Coaching oder die Beratung von Organisationen zu nutzen. Bei inscape haben wir jahrzehntelange Erfahrung in der Vermittlung von und der Arbeit mit psychodynamischen Organisationsdynamiken und den methodischen Folgerungen und Erfordernissen, die sich daraus ableiten. Bisher waren zudem in fast jeder Ausbildungsgruppe auch Psychotherapeut:innen oder Psychoanalytiker:innen dabei. Für die Gruppen war das immer in beide Richtungen bereichernd, da sich Unternehmenskontext und therapeutischer Kontext sonst selten so intensiv begegnen. Wir wollen hingegen ermutigen, diese Fähigkeiten in andere Kontexte mit einzubringen.
Daher bieten wir den Kompaktworkshop "Psychotherapeut:innen in Organisationen" an, der sich spezifisch an Psychotherapeut:innen richtet. Hier wollen wir einen grundlgegenden Überblick verschaffen, was „psychodynamisches Beraten“ in Organsationen für Psychotherapeut:innen genau heißen kann. Zudem machen wir mit den Basiskompetenzen in Bezug auf Organisationen bekannt. Dieser Kompaktworkshop lässt sich gut mit den Workshops zum Thema Führung und Teams kombinieren. Für alle, die noch ausführlicher einsteigen wollen, sind zudem die inscape Weiterbildung zum psychodynamischen Coach und die DGSv zertifizierte inscape Weiterbildung zur Supervision relevante Optionen. Am 06.11. bieten wir einen OnlineInformationstermin an. Dabei beantworten die Fortbildungsleitenden Fragen und erläutern die Grundidee und Potenziale der Angebote. Zur Anmeldung genügt eine kurze E-Mail an Gabriele.Beumer@inscape-international.de, den Zugangslink senden wir Ihnen anschließend zu.
Teams werden immer wichtiger –
Neuer Workshop Der Kompaktworkshop „Teamdynamiken verstehen & Teamentwicklungen gestalten”, der erstmals im kommenden Januar stattfindet, ist nicht nur für Psychotherapeut:innen relevant. Teams sind oft der entscheidende Ort, wenn es um Veränderungen in Organisationen geht. Schließlich zeigt sich hier im Kleinen, was in der ganzen Organisation wirkt: Rollenkonflikte, unausgesprochene Erwartungen, Neid, Scham, Vertrauen oder genau dessen Fehlen. Wer diese Dynamiken versteht, kann Teamentwicklung gezielter und wirksamer gestalten.
Schon im Mai hatten wir an dieser Stelle über die Forschung von Eva Jonas und die Wichtigkeit von sozialen Gruppen im Umgang mit Angst geschrieben und das Risiko der Abgrenzung, das darin liegt. Da schien es uns nur folgerichtig, das Thema auch in unseren Fortbildungen noch mehr zu stärken. Auch daraus ist dieser Workshop entstanden. Denn Teamkultur und Teamentwicklung werden immer entscheidender für das Gelingen von Arbeitsund Veränderungsprozessen in Organisationen. Doch dafür muss die soziale Energie auch verstanden werden.
- Die Fortbildung zur „Generativen Organisations- und Kulturentwicklung.
- Psychodynamische Veränderungskompetenz in Führung und Beratung“ beginnt am 20. bis 22. November.
- Das erste Modul der inscape Weiterbildung zur/zum psychodynamischen Coach findet vom 14. bis 17. Januar 2027 statt.
- Am 22. bis 24. Januar 2027 bieten wir den oben erwähnten KompaktWorkshop zu psychodynamisch geprägter Teamentwicklung „Teamdynamik verstehen & Teamentwicklung ermöglichen“ an. Er richtet sich an Coaches, Supervisor:innen, Psychotherapeut:innen und Berater:innen.
- Der Workshop „Psychodynamik in der Führung. Verstehen, was bewegt und wirksamer führen“ findet dieses Mal vom 26. bis 28. Februar 2027 in Hamburg statt. Hier wird den Teilnehmenden mit starkem Praxisbezug zu den eigenen Kontexten ein Grundverständnis psychodynamischer Prozesse in Organisationen und Teams vermittelt – und wie sich diese auf die eigene Rolle und das Handeln auswirken.
- Die Supervisionsweiterbildung beginnt am Wochenende vom 04. bis 06. März 2027. Das Ziel der nach DGSv-Richtlinien stattfindenden Weiterbildung ist es, die bereits vorhandenen Kompetenzen sowie das Wissen um Beratungskonzepte zu vertiefen und zu erweitern.
- Der nächste Kongress für psychodynamisches Coaching findet am 19. und 20. März 2027 in Kassel statt. Dieses Mal lautet das Motto: „Gesellschaftliche Krisen und technologische Revolution – Lähmung.Spielraum.Beteiligtsein“.
Anmeldungen zu allen Veranstaltungen können jeweils bei Gabriele Beumer unter Gabriele.Beumer@inscape-international.de vorgenommen werden.
Das ganze Jahresprogramm von inscape finden Sie hier.
Damit verabschieden wir uns für die fünfundreißigste Ausgabe des Newsletters.
Die nächste Ausgabe erscheint im Dezember.
Herzliche Grüße,
das inscape-Team

