inscape - Zwischen den Zeiten Ausgabe 28

inscape - Zwischen den Zeiten Ausgabe 28

Liebe Freund:innen, Interessent:innen, Kund:innen von inscape,
 
das Coaching hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Karriere hingelegt. Was früher fast nur Führungskräften zugänglich war, gehört heute zum Standardrepertoire in vielen Organisationen. Zudem gibt es immer mehr Veränderungen im Coaching-Bereich. So nehmen auch wir zum Beispiel die Entwicklung wahr, dass eine Coaching-Ausbildung bei manchen beruflichen Rollen mittlerweile als eine Art von Basiskompetenz gesehen wird.
 
Daher blicken wir im Schwerpunkt dieser Ausgabe auf die Entwicklung des Coachings und seiner verschiedenen Ausformungen zurück, zeigen wo wir uns in diesem Kosmos verorten und was wir daraus für die inscape Coaching-Ausbildung und darüber hinaus ableiten. Am Ende gibt es wieder die Ankündigungen zu den nächsten bei inscape anstehenden Terminen.

Entwicklungsgeschichte des Coachings

Kaum eine Beratungsform hat in den letzten Jahrzehnten einen Aufschwung erlebt, wie das professionelle Coaching. Entstanden ist es zunächst aus der Beratung für Führungskräfte. Wenn auch unter anderem Namen, hatten Führungskräfte schon immer Coaches, Menschen also, die ihnen halfen, Probleme zu durchdenken, verschiedene Perspektiven einzunehmen und Unterstützung in schwierigen Situationen leisteten. Der Bedarf nach Coaching hat sich mit der Zeit verstärkt.

Schließlich ist Führung mittlerweile noch komplexer und herausfordernder geworden. Oft beinhaltet sie eine Reihe mehrdimensionaler Strategien und Projekte. Dazu kommt die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen. Bei alldem ist die Führungskraft, insbesondere je höher sie in der betrieblichen Rangordnung angesiedelt ist, meist auf sich allein gestellt. Aufbauend auf der Psychologie der Macht lässt sich sagen, dass Macht das Selbstbewusstsein steigert, allerdings macht sie auch weniger empathisch und fördert Stereotypen. (vgl. Carsten Schermuly, Die Psychologie der Macht).


Hier kann Coaching also auch nachteilige, oft weniger bewusste Effekte von Macht ausgleichen, obwohl das selten der bewusste Auftrag in einem Coaching ist. All das macht es also logisch, sich Unterstützung zu holen und mit dem Coach eine „schöpferische Partnerschaft“ einzugehen, eine Partnerschaft, die die Nachteile der isolierten Führungsposition ausgleichen kann und in diesem Sinne auch eine bessere Performance gewährleistet. Eine Partnerschaft allerdings, die durchaus konfrontieren darf und auch muss.
 
Mit der Zeit wurde zudem immer klarer, dass sich der Nutzen des Coachings zudem auf andere Mitarbeiter:innen erstreckt, die für den Erfolg der Organisationen ebenfalls als entscheidend angesehen werden. Daher gehört Coaching heute neben Führungskräfteentwicklungen, Trainings, Workshops und Change-Konzepten zu den selbstverständlichen Formaten jeglicher Personalentwicklung. Parallel dazu entwickelte sich zudem die Profession. Sprach etwas Haubl im Jahr 2009 noch von
einer beginnenden Phase „vertiefter Professionalisierung", so hat sich die Situation inzwischen grundlegend verändert: Neben zahlreichen Anbietern von Coaching-Ausbildungen, dem Aufbau von Coaching-Pools in Organisationen, einer Anzahl von Coaching-Tagungen und dem Aufbau von verschiedenen Coaching-Verbänden hat sich das Coaching auch konzeptionell differenziert.
 

So wird einerseits zwischen Coaching-Konzepten unterschieden, die sich einer besseren Performance der Coachees verschrieben haben. Auf der anderen Seite gibt es Coaching-Konzepte, die, in der Tradition der Supervision stehend, eher an einer Entwicklung der Persönlichkeit in der Berufsrolle beziehungsweise der Entwicklung einer berufsbiographischen Identität interessiert sind. So wurde Coaching zu einer Möglichkeit, der sozial dominanten therapeutischen Kultur im Bereich der Arbeitswelt Bedeutung zu verschaffen. Gleichwohl gab es Widerstände: „Es ist gut über Gefühle zu sprechen“, oder die Akzeptanz der eigenen Verletzlichkeit, sie passen immer noch nicht wirklich zur Identität der im Selbstbild machtvollen und kraftvollen Führungskraft. Stattdessen erfolgte die Akzeptanz des Coachings über den Hebel des Erfolgsversprechens. Heutzutage ist es daher nicht selten eine Auszeichnung, einen Coach zu haben. 
Simon Western, ehemaliger Präsident der ISPSO,
hat in diesem Sinne vier Richtungen des Coachings beschrieben, die sich nicht ausschließen, sondern eher Ausformungen ein und derselben Beratungsmethode sind. Er unterscheidet den „Managerial Coach“, den „Psy-Expert Coach“, den „Soul Guide Coach“, (der an den Traditionen des Bemühens um Sinn und Bedeutung orientiert ist), und den „Network Coach“, der mit der Komplexität von Systemen arbeitet. Eine weitere Differenzierung gibt es generell in Richtung des „psychodynamischen Coachings“, wie wir es in unserem Institut anbieten.
 
Hierbei geht es um die Erweiterung des Wahrnehmungs- und Interventionsbereichs in Richtung latenter, meist unbewusster Prozesse in der Tradition des
Tavistock-Instituts und der ISPSO. Diese ist ein internationaler Zusammenschluss psychodynamisch arbeitender Berater:innen, Führungskräfte und Wissenschaftler:innen, dem auch verschiedene Menschen von inscape angehören. Nicht zuletzt hat auch der Coaching-Kongress, den inscape zusammen mit dem Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt 2008 ins Leben gerufen hat, zu einer Differenzierung und Schärfung des psychodynamischen Konzepts beigetragen. Die nächste Ausgabe des Kongresses findet am 27. und 28. März 2026 in Kassel statt.

Basiskompetenz für verschiedene Rollen

In jüngster Zeit gibt es zudem zwei weitere Entwicklungen, die die Zukunft des Coachings entscheidend beeinflussen. Da ist zum einen die Ausweitung des Coaching-Begriffs auf nahezu alle Lebensbereiche. Dies geht einher mit immer fragwürdigeren Angeboten, die sich unter dem Begriff des „Life Coachings“ sammeln. Mittlerweile wird gefühlt mindestens alle zwei Wochen im Fernsehen, in der Zeitung und in den sozialen Medien über Coaches berichtet, die, oft mit einer eindeutig finanziell motivierten Haltung, ein glücklicheres und erfolgreicheres Leben versprechen. Häufig sind dies unseriöse, marktschreierische Angebote, die das Bild des professionellen Coachings beschädigen – eines Coachings, das seit langem um Professionalisierung und Standardisierung bemüht ist.
Zum zweiten gibt es eine Entwicklung, was die Motive zur Teilnahme an Coachingausbildungen angeht. Anfänglich standen hier mehr oder weniger ausgesprochene Wünsche im Vordergrund, sich nach Abschluss der Ausbildung als selbständiger Coach auf dem Markt zu bewegen. Das war jedoch nicht in allen Fällen eine realistische Perspektive – und so hat sich neben dieser Option eine weitere Idee etabliert. Dabei wird Coaching zunehmend als eine Basiskompetenz für viele berufliche Rollen gesehen: so etwa für Führungskräfte auf allen Ebenen, für Personalentwickler:innen oder für Verantwortliche im Bereich betrieblicher Weiterbildung.

Auch die inscape-Weiterbildung zum psychodynamischen Coach ist auf diese Weise konzipiert und überlässt die Frage, mit welchem Ziel die Weiterbildung begonnen wird, getrost dem Prozess. Die Antwort steht also oft eher am Ende der Entwicklung statt schon im Vorhinein klar beantworten zu können: „Was mache ich eigentlich mit dieser Weiterbildung?“ Die Thematik, ob es sich um eine mögliche Selbständigkeit im Coaching-Bereich oder eine Erweiterung der Kompetenz in der beruflichen Rolle handelt, stellt sich auch noch unter anderen Aspekten. Menschen vertiefen die erworbene Kompetenz etwa durch eine Supervisionsweiterbildung für Coaches oder aber sie entscheiden sich für eine Weiterbildung in der Organisationsentwicklung, einer Interventionsform, die in den letzten Jahren aufgrund vielfältiger Ansprüche an die permanente Veränderung gesamter Organisationen oder ihrer Teile, wie etwa Teams immer bedeutender geworden ist.
 
Dieser Erkenntnis hat übrigens auch die Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching (DGSv) Rechnung getragen, da sie sich anschickt, Qualitätsstandards für solche Weiterbildungen zu formulieren. Nähere Informationen zur Coaching-Weiterbildung bei inscape, die im März kommenden Jahres wieder beginnt,
finden Sie hier. Derweil sind wir gespannt, wie die Entwicklung im Coaching-Bereich weitergehen wird, nun da immer mehr Menschen Zugang zu professionellem Coaching erhalten und es auch darum geht, ein hohes Niveau der Ausbildungen zu garantieren.
 
Psychodynamik in der Führung – eine weitere Möglichkeit

Seit 2025 bieten wir zudem einen Kompakt-Workshop „Psychodynamik in der Führung. Verstehen, was bewegt und wirksamer führen“ an unter der Leitung von Silke Facilides und Janette Wendt. Ein geballtes Wochenende, um ein Grundverständnis von psychodynamischen Prozessen in Organisationen und Teams zu entwickeln. Der besondere Wert des Workshops liegt dabei auch im intensiven Austausch mit Führungskräften aus unterschiedlichen Organisationen über die Auswirkungen auf die eigene Rolle und die Herausforderungen, die sich dadurch im Führungsalltag ergeben. Eine Austauschmöglichkeit, die innerhalb der Organisationen oft nicht so offen möglich ist. So entsteht eine neue Klarheit über die eigene Rolle sowie ein konstruktiver Umgang mit Emotionen, Widerstand, Macht und Ohnmacht. Mehr Informationen gibt es hier

Was bei uns ansteht:

  • Am 20. und 21. Februar veranstalten wir bei uns im Institut eine Werkstatt zur Organisationsanalyse. Geleitet von Edeltrud Freitag-Becker und Dr. Karin Herrmann geht es darum, Berater:innen und Führungskräfte zu befähigen, mittels unterschiedlicher psychodynamischer Analyseinstrumente, organisationale Themen und Prozesse besser zu erkennen und zu verstehen. 
  • Die oben erwähnte inscape Coaching-Ausbildung beginnt mit ihrem ersten Modul am 05. März 2026. Während der Ausbildung entwickeln die Teilnehmer:innen ihre Haltung als Coach und setzen sich mit den psychodynamischen Aspekten der Coaching-Arbeit auseinander.
  • Der inscape Kompakt-Workshop „Psychodynamik in der Führung. Verstehen, was bewegt und wirksamer führen“ findet vom 20.03.-22.03.26 in Hamburg statt. Der Workshop mit starkem Praxisbezug zu den Kontexten der Teilnehmenden vermittelt ein Grundverständnis psychodynamischer Prozesse in Organisationen und Teams – und wie sich diese auf die eigene Rolle und das eigene Handeln auswirken.

Anmeldungen zu allen Veranstaltungen können jeweils bei Gabriele Beumer unter Gabriele.Beumer@inscape-international.de vorgenommen werden.
Das ganze Jahresprogramm von inscape finden Sie hier.

Damit verabschieden wir uns für die achtundzwanzigste Ausgabe des Newsletters.

Herzliche Grüße,
das inscape-Team

 

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