Profil: Ullrich Beumer
"Was Du von Deinen Vätern ererbt, erwirb es um es zu besitzen" (Goethe)
Am Anfang meiner beruflichen Entwicklung stand eine von mir konzipierte Veranstaltung mit dem Titel "Mehr Chancen für die Jugend" . Dies ist Ausdrucks meines ungebrochenen Interesses an der Jugend als einer symbolischen Lebensphase, in der die aufregendsten und umwälzendsten Veränderungen stattfinden und gemanagt werden müssen.
Meine erste berufliche Station 1977 war die Referententätigkeit im Jugendbereich eines kath. Sozialverbandes mit dem Auftrag, sowohl auf der strukturellen Ebene als auch auf der Ebene der Aus– und Weiterbildung Neues zu schaffen und verkrustete Strukturen aufzubrechen. Auseinandersetzung mit der Geschichte eines über 100 Jahre alten Verbandes mit dem Ziel, Veränderungen einzuleiten ist so von Beginn an prägend gewesen für meine beruflichen Rollen und Aufgaben. Aus alten Strukturen Neues zu entbinden, Visionen gemeinsam mit anderen zu entwickeln und für die Umsetzung zu sorgen sind eine meiner größten Stärken und Prozesse die mich faszinieren.
Dies setzte sich fort als ich vier Jahre später 1981 an ein Haus wechselte in dem ich (beteiligt an der sehr kollegialen Führung meines damaligen Vorgesetzten) aus einem alten Jungeninternat ein modernes Bildungshaus entwickeln sollte. Am Anfang war dies "lediglich" eine Konzeptfrage und so entwickelte ich Kurse und Seminare für junge Leute, die an der Schwelle zwischen Elternhaus und Selbständigkeit, zwischen Schule und Beruf standen. In solchen Übergangssituationen Menschen zu begleiten, hat mich immer besonders fasziniert und berührt und so absolvierte ich von 1984 – 1986 eine Supervisionsausbildung, die mich in die Lage versetzen sollte, eine solche Form der Beratung und Begleitung in beruflichen Entscheidungssituationen auf professioneller Grundlage anzubieten.
Danach erfolgte ein prägender Schritt in zwei Richtungen, nämlich gleichzeitig in die Tiefe und in größere Verantwortung: Ich übernahm 1987 die alleinige Leitung des Bildungshauses, in dem ich, wie beschrieben, vorher schon als Fortbildner tätig war. Aus einer Kollegen– in eine Leitungsrolle zu wechseln war eine besondere Herausforderung, die einer Art notwendigen "Verrats" bedarf. Es folgten mehr als 15 Jahre Führungsverantwortung und Führungserfahrung, in denen ich gelernt habe, dass Veränderungen einer Organisation Zeit, Intensität und Beharrlichkeit benötigen. Und ich habe gelernt, dass Veränderungen auch Verlust, Schmerz und das Bewältigen von Ängsten bedeuten und dass dazu auch Räume für die damit einher gehende Trauer nötig sind.
Meine Führungskompetenz verband sich in diesem Weiterbildungszentrum auch mit Managementaufgaben und Verantwortung für Personal und Finanzen, was mir später für den Aufbau meines eigenen Unternehmens und für die Arbeit mit Wirtschaftsunternehmen sehr zugute kam.
Außerdem sah ich, dass eine tief greifende Veränderung meistens auch mit einem äußerlichen Umbau einer Organisation einhergehen muss: So habe ich mit Freude und Engagement die Renovierung des Hauses vorangetrieben und begleitet. Seitdem fasziniert mich das Zusammenspiel von Menschen und Räumen, Einrichtung und Gebäuden, die Ausdruck des Charakters, der Kultur und der Ziele eines Unternehmens sind und vor allem ein Halt gebendes äußeres Element, ohne das keine Arbeit effektiv und erfolgreich sein kann.
Containment geben zu können wurde mir auch in der gleichzeitig in anderen Organisationen und Supervisionen stattfindenden Beratung wichtig. Zu diesem Schritt in die Tiefe der Beratung bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und ihrer Geschichte, was ich in einer mehr als acht Jahre dauernden Psychoanalyse bzw. Fortbildung in analytischer Gruppenpsychotherapie tat. Die intensive Auseinandersetzung hat mir die Kompetenz verschafft, Führungskräfte und andere auch in professionellen Krisen, die sehr tief gehen und die eigene Persönlichkeit stark berühren, zu begleiten.
Meine Führungsrolle erforderte aber die Beschäftigung nicht nur mit einzelnen Personen in einem Unternehmen sondern mit der Organisation, ihrer Geschichte, Struktur, Kultur und Zukunft als Ganzes. Um solche Dynamiken, mit denen ich als Chef immer wieder zu tun hatte, verstehen zu können, half mir mein Kontakt zur Tavistock–Arbeit durch Dr. Burkard Sievers, der in Wuppertal den einzigen Lehrstuhl für Organisationsentwicklung in Deutschland innehat. Seit 1993 arbeite ich in solchen einwöchigen "Tavistock – Konferenzen" zweimal jährlich als Staffmitglied bzw. seit 2003 auch als Direktor solcher zum Teil internationaler Konferenzen.
Dies Interesse an einem psychodynamischen Zugang zu Organisationen spiegelte sich auch in der Mitgründung einer Fachzeitschrift für das "Unbewusste in Organisation und Kultur" der "Freien Assoziation" , die seitdem bis im Psychosozial–Verlag in Giessen erscheint und deren Geschäftsführender Herausgeber ich heute bin.
Diese professionelle Ausrichtung meiner Arbeit findet auch Ausdruck in der Mitgliedschaft in der ISPSO (International Society for the Psychoanalytic Study of Organisations), für die ich 2004 als Symposium Chair auch ein internationales Symposium für mehr als 150 Berater, Manager und Wissenschaftler veranstalten und leiten durfte. Solche Großveranstaltungen professionell und verlässlich zu konzipieren, zu entwickeln und für die Umsetzung zu sorgen war schon seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn ein wichtiges Anliegen. Ich habe dort gelernt "Gastgeber" zu sein, eine Rolle und Tätigkeit, die angesichts schwindender verlässlicher Bindungen, Organisationen und Orte immer wichtiger wird und die wesentlicher Teil meines Selbstverständnisses als Führungskraft, Coach und Berater ist.
In dieser Zeit vollzog sich Schritt für Schritt auch meine Neuorientierung von der Führung und Beratung von Organisationen im eher pädagogischen und gemeinnützigen Bereich zur Arbeit in und mit Unternehmen.
Folgerichtig entschied ich mich nach 15 Jahren Leitungstätigkeit einer Organisation 1999 meine eigene Organisation zu gründen, das Fortbildungs– und Beratungsinstitut inscape.
Mit diesem Institut zog ich 2001 in ein altes ehemals militärisch genutztes Gebäude um und übernahm gleichzeitig dort ein Interimsmanagement zum Aufbau und zur Konzeptentwicklung eines Zentrums für Wissen, Bildung und Kultur, in dem sowohl gemeinnützige öffentliche Träger und Wirtschaftsunternehmen inclusive einer Gastronomie, für deren Konzept– und Personalentwicklung ich verantwortlich war, ihren Sitz hatten. Auch hier konnte ich die Umwandlung eines alten Gebäudes in einen modernen Komplex mit konzipieren und verantwortlich umsetzen, also neue Visionen entwickeln und realisieren auf der Grundlage der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gebäudes und dem Respekt davor.
Parallel dazu vollzog sich eine inhaltliche Neuorientierung: Lange Zeit war ich überzeugter Supervisor und habe die Entschiedenheit und Tiefe der Reflexion beruflicher Konfliktsituationen in dieser Profession geschätzt und von 1992 bis 2002 auch selbst verantwortlich Supervisoren ausgebildet. Was mir in diesem Konzept fehlte war die Identifikation mit der Organisation bzw. den Unternehmenszielen, die ich eher im Coaching fand. Man kann auch sagen, dass eine Art entschiedener Zuneigung zu den Führungskräften und Unternehmen, die ich berate, nach meiner Einschätzung Voraussetzung für gute Beratung sind. So bilden ein auf der Professionalität der Supervision gegründetes Coaching und Organisationsberatung heute eher die Grundlagen meines professionellen Selbstverständnisses. Geblieben ist das doppelte Interesse an der Person und am "ganzen" System, das schon durch mein Studium der Erziehungswissenschaften, in dem Psychologie und Soziologie wichtige Grundlagen bildeten, angelegt war. Ich coache also gerne und habe beides im Blick, Person, Rolle und Unternehmen, die Grundlage meines "Coaching in depth" , wie ich es gerne nenne, und ich arbeite engagiert mit Führungskräften, weil sie immer auch das Ganze im Blick haben müssen und ich mich ihnen auf Grund eigener Erfahrung verbunden fühle.
Mittlerweile verfüge ich über 25 Jahre messbarer Erfahrung in Fortbildung, Coaching, Beratung und vor allem auch in der Führung von Organisationen.
Es ist seit einigen Jahren an der Zeit, eine Standortbestimmung vorzunehmen: Aus Geschichte Zukunft machen, Ererbtes in Besitz zu nehmen, was auch Trennung und "Verrat" an der Geschichte bedeutet, persönliche Entwicklungen in Gang zu setzen, Unternehmen dabei auf einer psychodynamischen Basis zu inspirieren und zu verändern, das ist meine Kernkompetenz:
"Führen, inspirieren, verändern"
Für inscape stehen vor allem meine eigene Person, Ullrich Beumer und in Fortbildungen und Projekten ein starkes und kompetentes Team von Kolleginnen und Kollegen dahinter!